Nuri - alleingelassen im Wald

Wir lernten Nuri an einem Dienstag im kalten Februar kennen. Das Ordnungsamt hatte uns verständigt, dass ein vermutlich ausgesetzter Hund dicht an einer stark befahrenen Straße herumlief.

Die Hündin, von der wir heute erzählen wollen, haben wir auf den Namen „Nuri“ getauft. „Nuri“, das bedeutet so viel wie „Licht“ oder „erleuchtet“. Denn wir hoffen, dass die kleine Nuri auch bald wieder strahlen wird und die Sonnenseiten des Lebens kennenlernen kann.

Wir lernten Nuri an einem Dienstag im kalten Februar kennen. Das Ordnungsamt hatte uns verständigt, dass ein vermutlich ausgesetzter Hund dicht an einer stark befahrenen Straße herumlief. Alle Einfangversuche waren bislang gescheitert, Nuri hatte sich nicht anfassen und schon gar nicht greifen lassen. Die nahegelegene Straße machte das Unterfangen nicht gerade einfacher. Auf keinen Fall durfte der Hund vor ein Auto geraten!

aktion tier- Mitarbeiterin Myriam erkannte vor Ort schnell, dass hier Ruhe und Geduld gefragt war. Die Hündin hatte keinerlei Vertrauen in die Menschen. Verständlich, denn insgesamt befand sich Nuri in keinem guten Zustand. Viel zu dünn und mit verfilztem Fell schienen es „ihre“ Menschen nicht gut mit ihr gemeint zu haben. Niemand weiß, wie Nuri in den Wald kam. Fakt ist aber, dass sich die Hündin trotz der ganzen Menschen, die sie zu fangen versucht hatten, trotz des Trubels und der Unruhe und entgegen ihres Fluchtinstinktes, nicht vom Ort wegbewegt hatte. Zudem lag nahe der Straße ein offener Sack Trockenfutter. Daher vermuten wir, dass jemand Nuri an der Straße ausgesetzt und ihr das Futter dagelassen hatte. Nuri hoffte nun vielleicht, dass „ihre“ Menschen zurückkommen… und wich deswegen nicht vom Fleck.

Vertrauen braucht Zeit

Myriam verbrachte die nächsten 4 Stunden im winterlichen Wald, versuchte die Hündin anzufüttern und deren Scheu zu überwinden. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Nuri ließ sich zwar mit viel Geduld bald aus der Hand füttern und lief weiterhin nicht weg, ließ aber auch niemanden näher an sich heran. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Michaela, die unterdessen hinzugestoßen war, entschied Myriam schließlich, die Fangversuche erst einmal einzustellen, später wiederzukommen und eine Futterstelle einzurichten. Am Abend stellten beide für Nuri eine große Hundebox in den Wald, damit das Tier bei den vorherrschenden Temperaturen wenigstens einen Unterschlupf hatte.

Es folgten weitere Tage, in denen Michaela und Myriam jeden Tag im Wald saßen, um Nuri zu füttern und ihr Vertrauen zu gewinnen. Langsam aber sicher kam die junge Hündin immer näher, wurde mutiger und merkte, dass man ihr nur Gutes wollen. Allerdings waren die zweifelsfrei auch nett gemeinten Versuche einiger Menschen, Nuri in Abwesenheit der Tierheimmitarbeiter zu füttern, dabei leider nicht sehr hilfreich. Die kleine Hündin hatte viel Aufmerksamkeit erregt, viele kamen und wollten helfen. Doch das machte unsere Arbeit leider nicht einfacher. Im Gegenteil. Wir wurden sogar dafür kritisiert, dass wir den Hund nicht schon längst hatten einfangen können, obwohl so viele andere bereits dabei gescheitert waren und wir uns allergrößte Mühe gaben, Nuri aus ihrer Lage zu befreien.

Wer stiehlt einem Hund den Schlafplatz?

Noch enttäuschter waren wir, als am Sonntagmorgen unsere Hundebox weg war. Jemand hatte sie mitgenommen und Nuri damit ihren einzigen Unterschlupf im kalten Wald genommen. Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit der Kleinen. Wir können darüber nur traurig den Kopf schütteln… wer zum Teufel klaut denn einem so vom Schicksal gezeichneten Hund auch noch die Schlafbox? Wie wenig Herz und Verstand kann man denn haben?

Am Sonntag dann fand diese Episode aus Nuris Leben ein Ende. Aufgrund der vorherrschenden Minusgrade und der zunehmenden Aufmerksamkeit, die die Hündin nun auf sich zog und die die geplante Sicherung akut gefährdete, sahen wir keine andere Möglichkeit mehr und mischten ihr in tierärztlicher Absprache Beruhigungstabletten in ihr Futter. Wir dosierten es relativ niedrig, um den Organismus nicht allzu sehr zu belasten. Weitere Stunden vergingen, bis wir Nuri, deren Reflexe schlussendlich langsamer geworden waren, mit einer Schlinge einfangen konnten.

Ein neuer Anfang für Nuri

Nun ist die junge Hündin bei uns im Tierheim und scheint sich ihrem Schicksal schlichtweg ergeben zu haben. Sie lässt sich anfassen, ließ es anfangs eher „über sich ergehen“, kommt uns mittlerweile aber auch schon freudig entgegen, wenn wir das Zimmer betreten. Sie weiß nicht, wie man aus einem Futternapf frisst, und muss zahlreiche neue Dinge lernen.

Gott sei Dank ist Nuri noch sehr jung. Wir arbeiten daran, einen gesunden, lebensfrohen Hund aus Nuri zu machen… doch das wird seine Zeit brauchen. Nuri hat so viel Enttäuschung erlebt. Sie braucht Zeit, um das aufzuarbeiten. Dann werden wir hoffentlich tolle Menschen für sie finden, die ihr zeigen, dass das Leben tatsächlich sonnig sein kann.

Nicht jede Hilfe hilft!

An dieser Stelle möchten wir noch einmal sagen, dass nicht jede Form von Hilfe auch wirklich Hilfe für uns ist. Bitte fragt uns einfach, womit ihr uns unterstützen könnt! Wir tun alles in unserer Macht stehende, um Tieren zu helfen und sind dabei manchmal eben auch auf die Mitarbeit und die Rücksichtnahme anderer angewiesen. Haltlose Kritik an unserem Vorgehen hilft uns dabei ebenso wenig wie Menschen, die einfach ohne Rücksprache in der selben Sache aktiv werden. Und was den Diebstahl der Hundebox betrifft… dazu fehlen uns wirklich die Worte.

Ebenfalls möchten wir uns auch noch einmal bei unserer lieben Tierschutzkollegin Claudia Sailer bedanken – auch sie verharrte mit uns in der Kälte und stand uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Auch für die Unterstützung des Teams von "Entlaufene Hunde Berlin/Brandenburg" auf Facebook sowie den ortsansässigen Jägern und Förstern sagen wir DANKE!