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Animal Hoarding | Tierheim 'aktion tier Zossen' | Tierschutzfälle mit Katzen

Fall Brandenburg - Wölmsdorf

aktion tier e.V. hat aktion tier 100 Katzen auf einem ehemaligen Bauernhof in Wölmsdorf bei Niedergörsdorf eingefangen.

Insgesamt übernahm aktion tier e.V. bei diesem Animal Hoarding Fall 100 Katzen, die wir nun in diversen aktion tier Stationen versorgen. Foto: © aktion tier e.V./Bauer

Am 17. August dieses Jahres hatte sich das Veterinäramt des Landkreises Teltow-Fläming an aktion tier-Zossen gewandt und angefragt, ob wir etwa 70 Katzen aufnehmen könnten. Die Tiere würden auf einem alten Gehöft in dem kleinen Ort Wölmsdorf (in Brandenburg) leben. Der Halter, Wolfgang K., hätte gerade eine Haftstrafe angetreten, daher wolle man die nun unversorgten Katzen offiziell beschlagnahmen. Aber wohin mit so vielen Tieren? aktion tier konnte helfen, und schon am darauffolgenden Tag waren wir mit mehreren Fahrzeugen und sechs erfahrenen Mitarbeitern vor Ort.

Aus dem Hoftor kamen uns bereits einige Tiere entgegen, im Innenhof wuselten dann mindestens 70 hungrige Katzen um unsere Beine. Viele waren mager und augenscheinlich krank. Die Mitarbeiter des Veterinäramtes zeigten uns außerdem einen großen Karton, in dem sie mindestens 20 Katzenbabys untergebracht hatten, die auf dem Gelände herumgeirrt waren.

Mit Futter lockten wir einen Großteil der Katzen in ein Zimmer im ersten Stock des Bauernhauses, wo wir sie dann einzeln in Transportboxen setzen konnten. Weitere Tiere wurden auf dem Gelände mit Lebendfallen eingefangen, so dass wir am Ende der mehrstündigen Fangaktion 73 erwachsene und 32 Babykatzen in unseren Transportern verstaut hatten. Die erwachsenen Katzen wurden auf unsere Tierheime in Zossen und Meissen verteilt, die Babys wurden in der Katzenstation in Glindow untergebracht.

In den darauffolgenden Tagen fingen wir noch weitere 14 Tiere, die sich während der Aktion versteckt hatten, mit Lebendfallen ein. Wolfgang K. hielt also insgesamt 119 Katzen auf seinem Grundstück. Ein sehr extremer Fall von Animal Hoarding, also krankhaftem Tiersammeln, der ganz klassisch begann: Im Jahr 2012 mietete der inzwischen 53-jährige Berliner das alte Gehöft und brachte angeblich 15 Katzen mit nach Wölmsdorf. Die unkastrierten Tiere vermehrten sich, Wolfgang K. ergriff jedoch weder Gegenmaßnahmen noch holte er sich Hilfe. Im Dorf stöhnte man natürlich über die Katzenflut, da die Tiere auch in der Nachbarschaft herumliefen und vor allem auf dem angrenzenden Friedhof regelmäßig ihr Geschäft verrichteten. Die Kontrolle über die Tierhaltung entglitt dem angeblichen Unternehmer zusehends, Krankheiten breiteten sich aus. Die Katzen bevölkerten nicht nur Scheunen und Hof, sondern auch fast alle Zimmer des Wohnhauses. Und es wurden immer mehr. Katzenkot, wohin man sah und unvorstellbares Tierleid.

Leider sind zehn Katzenbabys gestorben…

Neben Parasiten hatte sich vor allem Katzenschupfen im Bestand ausgebreitet, unter dem am schlimmsten die Katzenwelpen litten. Alle 32 Babys wiesen ein fortgeschrittenes Infektionsstadium auf, hatten hochgradig verklebte und vereiterte Augen und Nasenausfluss. Sie wurden noch am Nachmittag der Fangaktion intensiv tierärztlich versorgt. Trotz aufopfernder Pflege und medizinischer Rundumversorgung waren 10 der kleinen Wesen leider nicht zu retten. Ohne unsere Hilfe wären jedoch alle 32 Kätzchen gestorben. Bei der Untersuchung der erwachsenen Tiere zeigte sich dann, dass auch hier kaum eine Katze gesund war. Fast alle litten an teilweise extremem Parasitenbefall, waren unterernährt und zeigten diverse Katzenschnupfensymptome wie eitrig entzündete Augen und Nasenausfluss. Bei einigen Katzen mussten Tumore und Abszesse sowie durch den Katzenschnupfen zerstörte Augen operiert werden, aber wir haben sämtliche erwachsenen Tiere durchgebracht. Da aufgrund der enormen Bestandsgröße kein enger Kontakt zwischen dem Halter und den einzelnen Katzen bestand, waren viele Tiere anfangs sehr scheu und ängstlich. Mit viel Zeit und Geduld haben unsere Mitarbeiter aber auch diese Katzen schließlich zahm geschmust, was für eine erfolgreiche Vermittlung extrem wichtig ist.

Die Tiere hatten Glück im Unglück, dass ihr Halter in Haft kam und das Veterinäramt beherzt und schnell mit der Beschlagnahmung aller Katzen reagierte. Wolfgang K. wurde außerdem ein behördliches Tierhalte- und Betreuungsverbot auferlegt, so dass er auch nach seiner Entlassung keine Katzen mehr halten darf. Selbst wenn dieser Fall in seinem riesigen Ausmaß schrecklich ist und auch für uns eine Herausforderung darstellte, würden wir es dennoch begrüßen, wenn auch andere Veterinärämter derart konsequent handeln würden. Dank Ihrer Hilfe, liebe Mitglieder, verfügt aktion tier wie kein anderer Tierschutzverein über die erforderlichen Unterbringungsmöglichkeiten und Einrichtungen sowie einen entsprechenden Mitarbeiterstab und die Logistik, um auch umfangreichere Tierrettungsaktionen wie diese durchzuführen.

Wie kann ich helfen?

Die Tatsache, dass es aktion tier - menschen für tiere e.V. möglich ist, eine solch große Anzahl von Tieren auf einmal aufzunehmen, ist nur durch die Beiträge und das Engagement unserer vielen Mitglieder möglich. Wer uns also unterstützen möchte, tut dies am besten durch eine Mitgliedschaft - wie lange diese besteht und wie hoch ein finanzieller Beitrag sein soll, ist dabei frei wählbar.

Jedes Mitglied und jeder Euro zählt und ermöglich aktion tier e.V., langfristige Tierschutzarbeit zu leisten! 

Für Fragen rund um dieses Thema steht die aktion tier Mitgliederbetreuung gern zur Verfügung: 

+49 30 30111620
mitgliederbetreuung[at]aktiontier.org

Ich habe eine ausufernde Tierhaltung beobachtet. Was tun?

Schon beim geringsten Anzeichen einer ausufernden Tierhaltung sollte sofort das zuständige Veterinäramt benachrichtigt werden. Es müssen nicht immer hunderte von Tieren sein. Auch 10 in einer kleinen Wohnung zusammengepferchte Katzen oder fünf Hunde auf engstem Raum gehalten sind alarmierend und sollten gemeldet werden. Veterinär-, Ordnungs- und Gesundheitsämter sind gefordert, beherzt und vor allem rechtzeitig einzugreifen. Das Tierschutzgesetz liefert genug Möglichkeiten, Tiersammlern das Handwerk zu legen. Im Fall Brandenburg-Wölmsdorf hat sich das Veterinäramt Teltow-Fläming diesem extremen Animal Hoarding-Fall mutig gestellt und alle Tiere dem Halter offiziell weggenommen, sodass aktion tier die Katzen einfangen und unterbringen konnte.

Hintergrundinformationen "Animal Hoarding"

Manche Menschen sammeln Gegenstände wie Zeitungen, Nahrungsmittel, Verpackungen und Kleidung, mit denen sie ihre Wohnung vollstopfen, bis diese verwahrlost und zugemüllt ist. Ein ganz ähnliches Phänomen, bei dem anstelle toter Gegenstände Tiere in großer Zahl angehäuft werden, nennt man Animal Hoarding (übersetzt „Tiere sammeln“, „Tiere horten“). Im Mai 2015 startete aktion tier e.V. eine große Aufklärungskampagne zum Thema Animal Hoarding.