Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V.

Veterinäramt Teltow-Fläming ordnet Rückgabe der illegal aus Polen eingeführten Spitze an

Kranker Zwergspitzwelpe
Man sieht den Welpen an, dass sie krank sind! Foto: © aktion tier Zossen

16. November 2017 | Am vergangenen Montag hat das Veterinäramt Teltow-Fläming die Herausgabe der einige Tage vorher vom Zoll aufgegriffenen, illegal aus Polen importierten sieben Spitze angeordnet. Die weder gechippten noch gegen Tollwut geimpften und außerdem kranken Tiere waren vom gleichen Veterinäramt eingezogen und in unserem Tierheim in Zossen untergebracht worden.

Entsprechend geschockt waren unsere Mitarbeiter, als die Anweisung kam, die Hunde wieder herauszugeben. Wir hatten das Amt im Vorfeld in einem Fax sehr deutlich darauf hingewiesen, dass wir die Vorgehensweise für rechtswidrig halten. Ungeachtet dessen hat die am Montag im Tierheim anwesende Vertreterin des Veterinäramtes Teltow Fläming die Spitze an den angeblichen Lebensgefährten der angeblichen Besitzerin übergeben, mit der Anweisung, diese zurück nach Polen zu bringen. Ob der Mann dieser Aufforderung gefolgt ist, wurde nicht kontrolliert. Vielleicht hat er die ungeimpften, kranken Vierbeiner inzwischen in Deutschland verkauft.

Das Vorgehen des Veterinäramtes ist unserer Meinung nach wie eine Einladung an alle kriminellen Hundehändler. Denn selbst wenn diese bei einem Transport erwischt werden, drohen ihnen zumindest im Landkreis Teltow-Fläming keine rechtlichen Konsequenzen. Man zahlt für die Unterbringung und Versorgung der Hunde ein im Vergleich zum Wert der Tiere geringes Entgeld und zieht mitsamt der Ware seiner Wege. Diese wurde in unserem Fall mit behördlicher Unterstützung auch noch legalisiert. Denn das Veterinäramt Teltow Fläming hatte angeordnet, alle Spitze vor der Rückgabe zu chippen und mit einem EU-Heimtierpass auszustatten.

Wir fragen uns, warum die Tiere überhaupt eingezogen wurden. Begründet hatte das Amt die Wegnahme mit Verstößen gegen tierschutz- und seuchenrechtliche Vorgaben. An diesen Gründen hatte sich bis zur angeordneten Herausgabe jedoch nichts geändert. Die Hunde hatten immer noch keinen wirksamen Tollwutschutz und waren immer noch krank. Sie litten an Giardien, einem Darmparasit, der schlimmen Durchfall verursacht, und an Bindehautentzündung. Am Tag der Herausgabe ging es zwei der Spitzwelpen besonders schlecht. Unsere Tierärztin machte die anwesende Veterinärin bei einer Begutachtung der Tiere auf diesen Umstand aufmerksam - ohne Erfolg.

Werden Hunde ohne wirksamen Impfschutz gegen Tollwut nach Deutschland eingeführt und aufgegriffen, gibt es zwei Möglichkeiten, wie die Behörden reagieren können. Entweder werden die Tiere eingeschläfert, was zum Glück äußerst selten verfügt wird. Oder es wird eine Quarantäne angeordnet, bis die Vierbeiner geimpft und der Schutz nach mindestens 21 Tagen wirksam ist. Hunde, die vom Zoll an der Grenze bei der versuchten illegalen Einreise entdeckt werden, können zurückgeschickt werden. Sind sie erst einmal im Land, ist dies jedoch keine Option mehr.

Der Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V. prüft nun, welche rechtlichen Schritte gegen das Veterinäramt unternommen werden können. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Amt Teltow Fläming halten wir indes für unmöglich. Schließlich möchten wir keine Erfüllungsgehilfen sein, die das Veterinäramt dabei unterstützen, unseres Erachtens rechtswidrige Zustände zu legalisieren. 


Illegaler WelpenhandelIllegal importierte Zwergspitze übernommen

5 der insgesamt 7 beschlagnahmten Zwergspitze im Tierheim 'aktion tier Zossen'. Foto: © 'aktion tier-Zossen'
Die 7 Hunde, eingepfercht in 2 Boxen im Kofferraum des polnischen Lieferwagens. Foto: © Tierheim 'aktion tier-Zossen'
Die adulte Spitz-Hündin kann nicht die Mutter der Welpen sein. Foto: © Tierheim 'aktion tier-Zossen'
Alle Hunde sind krank. Foto: © Tierheim 'aktion tier Zossen'
 
 

Gestern Abend hatte der Zoll im Kofferraum eines polnischen Kleintransporters sieben Hunde (davon sechs Welpen) entdeckt. Gegen 22 Uhr trafen sich dann die Amtstierärztin des Landkreises Teltow-Fläming und eine Mitarbeiterin von aktion tier Zossen an der Autobahnraststätte 'Am Fichtenplan', wo die Beamten den Wagen festgesetzt hatten.

Von Ursula Bauer | 8. November 2017

Schnell war klar, dass die Hunde illegal eingeführt worden waren. Die zwingend vorgeschriebenen EU-Heimtierpässe zum Nachweis der Tollwut-Impfungen und Kennzeichnung mittels Mikrochip konnten nicht vorgelegt werden. Ein einzelner herausgesuchter EU-Heimtierpass war keinem der Tiere zuzuordnen. Außerdem wirkten die völlig erschöpften Winzlinge krank, hatten tränende Augen, verdreckte Ohren und kotverschmiertes Fell. Die Amtstierärztin beschlagnahmte daraufhin die Hunde und übergab sie unserer Mitarbeiterin.

Zurück in Zossen kam unsere Tierärztin trotz der späten Stunde gleich ins Tierheim, um die Zwergspitze zu untersuchen. Sie stellte fest, dass die sechs Welpen erst sieben bis acht Wochen alt sind. Um den illegalen Welpenhandel zu erschweren, hat das Bundesministerium Ende 2014 erwirkt, dass Hundewelpen aus einem EU-Mitgliedsstaat nur noch nach Deutschland gebracht werden dürfen, wenn sie gechipt sind und über einen wirksamen Impfschutz gegen Tollwut verfügen. Beides muss in einem EU-Heimtierpass dokumentiert sein. Da Welpen frühestens mit 12 Wochen geimpft werden können und der Impfschutz erst nach weiteren 21 Tagen wirksam ist, können die Tiere erst mit frühestens 15 Wochen eingeführt werden.

Viele Hunde aus Osteuropa sind mit dem meist tödlichen Parvovirus infiziert. Daher fiel uns ein Stein vom Herzen, als der Schnelltest negativ ausfiel. Dafür leiden die kleinen Vierbeiner an Giardien, einem Dünndarm-Parasit, der zu Durchfall und Erbrechen führt. Der polnische Fahrer hatte behauptet, dass die ausgewachsene Spitz-Hündin die Mutter der Kleinen sei. Da sie jedoch keinerlei Gesäuge ausgebildet hat und sich auch gegenüber den Kleinen wenig mütterlich verhält, halten wir diese Geschichte für fragwürdig.

Alle Hunde bleiben nun erst einmal in unserer Quarantänestation, wo sie intensiv betreut werden. Die Hintergründe des illegalen Hundeimports konnten aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht vollständig geklärt werden, aber gegen den Fahrer wird ein Verfahren eingeleitet, und auch die im Heimtierpass als Besitzerin angegebene polnische Frau muss mit Konsequenzen rechnen. Bis die rechtliche Lage geklärt ist, was einige Wochen dauern kann, dürfen wir die Tiere leider nicht vermitteln.