Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V.

Ein Gemeinschaftsprojekt mit Zukunft

Außenbereich im Tierheim
Das Tierheim Zossen hat es geschafft, zahlreichen Tieren eine möglichst bedarfsgerechte vorübergehende Bleibe zu bieten. Foto: © aktion tier e.V./Schöffel
Lisa Jurk mit Hund
Bundesfreiwillige und Azubis wie Lisa Jurk unterstützen das Tierheim aktion tier Zossen. Foto: © aktion tier e.V./Schöffel
Verwaltungsbereich im Tierheim
Die Ausstattung der gesamten Anlage ist einfach, aber durchaus modern und zweckmäßig. Foto: © aktion tier e.V./Schöffel
Außenbereich der Katzen
Die Katzenbereiche sind liebevoll eingerichtet, doch es fehlt den Tieren an einer Bezugsperson. Foto: © aktion tier e.V./Schöffel
Kaninchenstall im Tierheim Zossen
Die Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse bewohnen hier nicht nur einen kleinen Stall, sondern ein Gehege mit ausreichend Auslauf und einer tollen Innenausstattung aus Kleintierhäusern, Klettermöglichkeiten und Schlafplätzen. Foto: © aktion tier e.V./Schöffel
 
 

Von Sophie Janenko, erschienen im "mensch & tier"-Magazin, März 2017. Schon seit vielen Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Tierschutzverein „aktion tier – menschen für tiere e.V.“ und dem in Zossen ansässigen Tierheim. Das Tierheim selbst gründete sich Mitte der 90er Jahre, als die russischen Soldaten die Garnisonsstadt Wünsdorf verließen. Da sie ihre Haustiere nicht mit in die Heimat nehmen konnten, wurden die Tiere in ein eingezäuntes Grundstück des Garnisonsgeländes gebracht, und das Katzenasyl Zossen nahm seinen Ursprung. Es gründete sich ein Verein, der die provisorische Versorgung der Tiere übernahm. Trotz des großen Engagements der damaligen Mitglieder war dieser Verein aber nicht in der Lage, eine artgerechte Unterbringung der Tiere in einem Teil des ehemaligen Militärgeländes sicherzustellen. Daher wurde die Aufgabe 1999 vom „Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V.“ übernommen.

Dieser jedoch bekam massive Probleme, welche wiederum die Weiterführung des Tierheimbetriebes gefährdet hätten, und somit weiteten der Tierschutzverein „aktion tier – menschen für tiere e.V.“ und der „Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V.“ im Frühjahr 2014 ihre bereits seit 2002 bestehende Projektpartnerschaft deutlich aus. Es wurde ein umfangreiches Hilfsprogramm von aktion tier erarbeitet, um den Betrieb in seiner Qualität erhalten und langfristig verbessern zu können. Durch das neue Gemeinschaftsprojekt „aktion tier ZOSSEN“ boten sich durch das hohe Engagement beider Vereine zahlreiche Entwicklungschancen für das Tierheim.

Auf dem 18.000 m² großen Gelände entstand eine bedarfs- und fachgerechte Einrichtung, welche ca. 60 Katzen, 20 Hunde und einige Kleintiere beherbergen kann. Doch was steckt hinter den Kulissen? Wie wird das Tierheim betrieben? Woher kommen die Gelder? Und wer hat Entscheidungsbefugnisse? Die Betreiber eines Tierheimes sind in der Regel die Tierschutzvereine. Im Falle Zossen also die Tierschutzvereine „aktion tier – menschen für tiere e.V.“ und der „Verein der Tierfreunde Schützende Hand e.V.“. Dies bedeutet, dass die Finanzierung überwiegend durch Mitgliedsbeiträge sichergestellt wird. Bei Betriebskosten von ca. 250.000 Euro im Jahr ist das Tierheim jedoch auf weitere Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen. Somit war es für die beiden Vereine ein großer Gewinn, dass mit der Stadt Potsdam im Jahr 2014 ein Fundtiervertrag geschlossen wurde. Demgemäß werden die Fund- und Verwahrtiere der Landeshauptstadt im Zossener Tierheim aufgenommen und betreut. Obwohl Potsdam nicht in unmittelbarer Nähe liegt, ist es dennoch für die Stadt ein großer Gewinn, da es in Potsdam direkt kein Tierheim gibt. Ebenfalls besteht ein solcher Vertrag mit der Stadt Zossen sowie der Gemeinde Stahnsdorf.

Jedes der Tiere bringt seine eigene Geschichte mit und hat eine Persönlichkeit

Vereinsüblich gibt es für das Tierheim Zossen einen Vorstand, welcher in regelmäßigen Abständen zusammenkommt und sowohl wirtschaftliche als auch personelle Entscheidungen trifft. Die Ernährung und Pflege der Tiere liegt in unserem Tierheim in der Verantwortung von Sachkundigen. Somit ist es eine Notwendigkeit, dass neben ehrenamtlichen Helfern auch ausgebildete Tierpfleger beschäftigt werden. Im Tierheim Zossen gibt es drei hauptamtliche Tierpfleger und zwei Auszubildende, welche für die Pflege und Versorgung der Schützlinge zuständig sind. Darüber hinaus werden sie von vier sogenannten „Bundesfreiwilligen“ unterstützt, die sich für den Zeitraum von einem Jahr dort engagieren. Bei annähernd 100 Tieren ist dies für die Mitarbeiter täglich eine logistische Herausforderung. Doch möchten die Tiere nicht nur verwahrt werden, sondern benötigen zusätzlich individuelle Betreuung.

Jedes der Lebewesen bringt eben auch seine eigene Geschichte mit, hat eine Persönlichkeit. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich um die Tiere kümmern zu dürfen“, so die Auszubildende Lisa Jurk. „Natürlich gibt es auch schwierige Momente, zum Beispiel, wenn ein Tier schwer misshandelt aufgefunden wird, doch die Hilfe für in Not geratene Tiere bringt auch viel Befriedigung mit sich.“

Die Ausstattung der gesamten Anlage ist einfach, aber durchaus modern und zweckmäßig. Die Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse bewohnen hier nicht nur einen kleinen Stall, sondern ein Gehege mit ausreichend Auslauf und einer tollen Innenausstattung aus Kleintierhäusern, Klettermöglichkeiten und Schlafplätzen. Ähnlich sieht es bei den Hunden aus: Jeder Hund hat einen an seine Größe angepassten Zwinger mit Außenbereich, Körbchen und Decke. Alle Größen und Altersklassen sind im Tierheim vertreten, und neben unterschiedlichen Mischlingen haben wir auch immer wieder verschiedene Rassehunde.

Die Katzen verteilen sich auf mehrere Katzenhäuser, die, ausgestattet mit zahlreichen Kratzbäumen, Liege- und Klettermöglichkeiten, Decken und Spielzeug, wie ein wahres Katzen-Schlaraffenland wirken. „Klar, geht es den Katzen hier gut“, erklärt Auszubildende Lisa Jurk, „aber was ihnen am meisten fehlt, ist eine ständige Bezugsperson. Es sind zwar regelmäßig Leute zum Streicheln und Schmusen da, aber das ersetzt natürlich nicht die eigene Familie“.

Neben der täglichen Pflege und Ernährung ist allerdings auch eine medizinische Versorgung der Tiere zu gewährleisten. Neu aufgenommene Tiere werden nach ihrer Einlieferung in das Tierheim Zossen von der Tierärztin Agnes Laskowska erst einmal gründlich untersucht. Falls keine Impfpapiere vorhanden sind, werden die Tiere über einen gewissen Zeitraum im Quarantäne-Bereich betreut. Werden nach Ablauf dieses Zeitraumes bei den Tieren keine krankheitsbedingten Auffälligkeiten festgestellt, können sie geimpft, entwurmt und gechipt werden. Erst jetzt sind die Tiere zur Vermittlung freigegeben, und ein neues Zuhause kann gefunden werden.

Das Tierheim Zossen hat es geschafft, zahlreichen Tieren eine möglichst bedarfsgerechte vorübergehende Bleibe zu bieten. Mit seinen großen Freigehegen für Hunde und Kleintiere und mit den tiergerecht gestalteten Innen- und Außenräumen für Katzen ist es Vorstand und Mitarbeitern gelungen, einen Ort zu schaffen, an dem in Not geratene Tiere eine artgerechte, sachkundige und liebevolle Betreuung erhalten.